Kinderkrankheiten

Ich würde gerne schreiben, dass wir zurzeit so beschäftigt sind mit Laufenlernen, Mama- und Papasagen und dem immer häufiger stückigem Essen, das mit den Fingern in die süße Schnute wandert, aber das ist nur ein Teil, dem unsere Kraft, Hingabe und Aufmerksamkeit gehört. Leider sind wir noch wie vor krank, inzwischen geben sich Al und Lu beinahe nahtlos jedem Infekt hin, den es irgendwo aufzuschnappen gibt. Unser Repertoire hat sich seit meinem letzten Beitrag um Bindehautentzündung, Flüssigkeit hinter den Trommelfellen und extremen Husten erweitert.

Ich würde das gerne positiv sehen, dass jeder Infekt das Immunsystem stärkt und Abeehrkräfte mobilisiert, aber wenn man als Eltern selbst drei Wochen davon krank ist und sich rund um die Uhr kümmert, geht das irgendwann an die Substanz. Mit müden Augen und trüben Kopf denkt man nur daran, dass wir gerade erst einmal Oktober haben, noch nicht mal Winter, alles wird noch schlimmer und endet nie. Eigentlich müssten wir die Zeit nutzen und den ersten Geburtstag der kleenen Keulen vorbereiten. Es gibt für unser Zuhause so viele Ideen und so viel zu tun, aber alles ruht, denn es gibt nur Erschöpfung und Tränen, fröhliche Momente des Weiterentwickelns und Lernens, aber keinen Schlaf.

Ich befolge die Nachricht meines lieben Mannes aus dem Kinderzimmer und mache jetzt ein wenig die Augen zu. Hier im Schlafzimmer, neben mir, liegt die röchelnde Lu, die kaum Luft bekommt, aber so müde ist. Der Husten wird sie schon bald aus ihren Träumen reißen, und mich mit.

Kinderkrankheiten

Waren nie wirklich weg …

… haben uns nur versteckt. So oder so ähnlich habe ich die letzten Wochen wahrgenommen, in denen wir uns hier sehr rar gemacht haben. Die Zeit, die letzten 7 Wochen, war unglaublich intensiv und zum Teil auch beängstigend. Es ist viel passiert.

Nachdem die Eingewöhnung bei unserer Tagesmutter so wunderbar geklappt hat, sind Al und Lu auch alleine gerne zu ihr gegangen. Sie hatten viel Spaß und brachten beinahe jeden Tag etwas Neues mit nach Hause. Sie begannen plötzlich den Kopf zu schütteln, entweder wenn wir etwas verboten oder manchmal auch einfach aus dem Nichts heraus. Dabei bewiesen sie schon mal große Ausdauer. Wir wären sicher irgendwann umgekippt. Glücklicherweise kam dann irgendwann auch mal ein Nicken dazu. Lu übte sich im Klatschen und hat es inzwischen so gut raus, dass man dabei die leisen Klatschgeräusche hören kann. Sie liebt den Applaus, wenn sie etwas gut gemacht hat oder ein bisschen Unterstützung braucht. Beide können ihre Wasserflaschen halten und Lu dabei sogar den Kopf nach hinten legen, sodass sie alleine trinkt. Das sollte sie nur öfter machen, denn sie trinkt insgesamt noch zu wenig.
In den Stunden alleine zuhause konnte ich endlich tagsüber arbeiten. Das war sehr angenehm und ich war abends nicht mehr so müde, sondern konnte das Herumlümmeln auf dem Sofa und ein bisschen Zeit vor dem Fernseher bei einer tollen Serie – schaut unbedingt »Stranger Things« an – genießen. Die Hausarbeit ging leichter von der Hand und ich genoss zwei Wochen von diesem luxuriösen Alltag.

Doch plötzlich wurde unsere Lu sehr krank, Drei-Tage-Fieber gepaart mit eitriger Mittelohrentzündung. Nachdem sie beides medikamentös überwinden konnte, reagierte sie körperlich sehr heftig auf ein Medikament und musste eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus verbringen. Natürlich war einer von uns immer an ihrer Seite. Wir haben so sehr mit ihr gelitten und waren trotz der großen Aufregung und dem Stress sehr froh über die schnelle Hilfe vor Ort. Al hat das lange Warten während Lus Untersuchungen sehr gut durchgehalten und den Abend bei unserer wundervollen Nachbarin verbracht. Wir waren so erleichtert, dass Al uns in diesen Tagen so toll unterstützt hat und schon in ihrem Bett träumte als ihr müder und besorgter Papa alleine nach Hause kam.
Kaum krabbelte unsere Lu wieder auf den Weg der Besserung, sah wieder wie unser hübsches kleines Mädchen aus, war fit und lachte, bekam Al Fieber. Auf die Stunde genau 7 Tage nach Lus Aufnahme in die Kinderklinik, brachten wir Al in die Ambulanz. Obwohl sie kraftlos, schlapp und weinerlich war, blieb uns außer Nähe, Fiebersaft und Ruhe nichts, was wir für sie tun konnten. Wieder litten wir sehr mit unserer Tochter, tagelang, bis eines Morgens endlich wieder ein kleines Lächeln über ihre Lippen huschte. Wir waren so erleichtert, unser großes Mädchen wieder krabbeln zu sehen.

So fit gingen die beiden wieder zur Tagesmutter. Inzwischen können die anderen Kinder ihre Namen aussprechen – zumindest kann man erahnen, wen sie meinen. 😄   Der Lieblingspapa bringt die beiden hin und holt sie auch wieder ab. Alles drumherum ist schon zum festen Ritual geworden. Al hat eine Freundin gefunden, die ihrem wilden und selbstbewusstem Naturell entspricht, Lus Freundin ist genauso zärtlich und nähebedürftig wie sie selbst.
Auch wenn eine Tagesmutter nicht unsere erste Wahl war, sind wir gerade sehr glücklich wie es läuft. Al und Lu mögen sie und entfalten sich bei ihr sehr gut. Sie spielen leidenschaftlich gerne draußen, krabbeln, stehen und laufen auf ihrer Terrasse, stecken ihre Nasen in ihre Küchenschränke und essen und schlafen dort wie zwei kleine Braunbären im Winter.
In den nächsten Wochen erleben wir zwar die Nachteile, weil sie eine Weiterbildung besucht und zwei Wochen Urlaub hat, im Moment ist das aber noch kein Problem, da ich noch im Homeoffice arbeite.

Was bleibt noch zu sagen?
Eigentlich so so viel, denn sieben Wochen stehen im ersten Lebensjahr für Veränderungen in jedem Bereich. Wir haben an den guten Wochenenden in dieser Zeit zwei Tierparks besucht, waren viel spazieren, genossen an jedem schönen Abend etwas Zeit auf dem Balkon, d.h. wir haben endlich diese furchtbar laute Baustelle überstanden, und hatten lieben Besuch.
Al und Lu haben sich innerlich und äußerlich sehr verändert. Durch ihre längeren Haare wirken sie gar nicht mehr wie Babies, sondern eher wie Kleinkinder. Sie werden von Tag zu Tag hübscher. In ihren Mündern blitzen kleine Zähnchen. Ihre Augen strahlen noch immer in reinem Blau. Beide stehen am Sofa und an den Wänden, laufen daran entlang, stehen immer wieder mitten im Raum auf, auch mit Eimern oder Spielsachen in den Händen, und laufen schon recht flott an ihrem Lauflernwagen und einige Schritte an den Händen. Wir sind gespannt wie sich das in den nächsten Wochen weiterentwickelt, wie lange es dauert bis sie sicher im Raum stehen und wie lange es dann noch einmal dauert, bis sie den ersten Schritt alleine wagen. Dann wird sich zeigen, wie sie mit dieser neuen Fähigkeit umgehen, wie weit sie von uns weglaufen, wie häufig sie zu uns tapsen.

Noch einmal ein paar Wochen hinzu und unsere kleenen Keulen werden ein Jahr alt. Es wird Zeit ihren besonderen Tag zu planen.

Waren nie wirklich weg …

einGewöhnen

Wie in jeder Beziehung ist auch die Zeit mit den Kindern ein stetiges Neukennenlernen, ein Aneinandergewöhnen und früher oder später auch ein an andere Gewöhnen, denn alles ist im Fluß und verändert sich.
Al und Lu sind, obwohl sie schon so viel gelernt haben, noch sehr klein. Da ich aber wieder mit mehr Stunden in den Berufsalltag starten werde, wird es für die kleenen Keulen Zeit, in die Welt hinauszugehen, während unserer Abwesenheit betreut zu werden und zu lernen, dass ihr Leben nicht nur in unserer behüteten Mitte stattfindet, sondern mit anderen Menschen von ihnen selbst gestaltet wird. Weil es in unserer Gegend keine freien Kita-Plätze gibt, starten wir die ersten Schritte in diese neue Welt mit unserer Tagesmuter Y. Sie ist eine tolle Frau, mit ähnlichen Ansichten zu Erziehung und Umfang wie wir sie haben. Al und Lu vertrauen ihr und fühlen sich wohl. Und so vertrauen wir ihr das Wichtigste auf der Welt an.

Inzwischen haben sie den neuen Lebensraum bei Y. schon gut erkundet, haben bei ihr geschlafen und gegessen. Weil wir parallel den 7. Wachstumsschub und ein Arsenal neuer Zähne in Als Mund überwinden, war die erste Woche sehr kräftezehrend für uns alle. Doch schon in der zweiten Woche wird alles besser. Zwar ist immer noch alles so spannend, dass von unseren gewohnten Rhythmus zurzeit nicht mehr viel zu erkennen ist, aber mit der Zeit werden wir wieder dahin zurückfinden.

Der Lieblingspapa und ich sind einfach baff, was die neuen Erfahrungen in unseren Kindern bewirken. Dass Kinder am besten von Kindern lernen, ist so wahr. Natürlich spielen auch die Fortschritte aus dem Schub mit hinein, aber Al und Lu sind kaum wiederzuerkennen. Ganz schnell haben sie Winken gelernt. Das ist purer Zucker für die Seele. Lu reicht uns Spielzeug an, damit wir es so wie sie ankuscheln und dann zurückgeben, immer und immer wieder. Al läuft mit großen Schritten immer flotter an Sofa und Schränken entlang, lässt immer wieder los, probiert es neu, hängt auch mal in der Luft, krabbelt in Schränke und öffnet deren Türen.

Durch Lus Fortschritte im Sitzen, nehmen wir nun alle Mahlzeiten am Tisch zu uns – das Frühstück sogar zu viert, d.h. wir essen auch mal was. Sie robbt inzwischen gar nicht mehr.

Auch wenn wir immer wieder warnende Hinweise bekommen, wie anstrengend es für uns wird, wenn sie laufen lernen, freuen wir uns darauf, wenn es endlich so weit ist, weil wir uns erhoffen, dass sie ruhiger werden, wenn sie uns folgen können. (Das waren aber viele Wenns.) Im Moment krabbeln sie, lassen sich von Spielsachen, Papier oder Fusseln ablenken, und schimpfen dann, wenn sie nicht nachkommen oder wir schon wieder in anderer Richtung an ihnen vorbeilaufen. Das ist frustrierend, sie wollen schneller sein.
Allerdings ist uns auch klar, dass sie dann schneller selbstbestimmt davonlaufen können. Sie nehmen doch jetzt schon alles auseinander, wollen alles wissen, erfahren und untersuchen. Zu zweit animieren sie sich auch zu immer wieder neuem Unfug.

Nun sitze ich im Kaffee, genieße eine heiße Schokolade und Joghurt mit Früchten. Offiziell bin ich auf Abruf, falls Al und Lu Probleme bei Y. haben sollten. Aber daran glaube ich nicht. Unsere kleenen Keulen sind so mutig und offen. Sie wickeln Y. und ihre jüngere Tochter mit ihrem Charme um den Finger. Wenn ich zum Mittagessen zurückkehre, freuen sie sich hoffentlich, ohne Tränen, und essen dann zur Feier des Tages ihre Mahlzeit gut auf.
Wir sind so stolz auf sie. Und wir gewöhnen uns ans Loslassen. Das ist ein Prozess, der nie mehr aufhört. Eltern lassen die Leine immer länger, und länger, und länger. Aber ich denke, egal wie alt Eltern und Kind je sein werden, Eltern können nie komplett loslassen. Unsere Herzen sind an die unserer Kinder gebunden, für immer.

einGewöhnen

Auf, auf, und davon

In den letzten Wochen war es etwas ruhiger um unsere kleenen Keulen geworden. Das bedeutet aber nicht, dass nichts passiert ist, im Gegenteil. Unsere Keulen haben wieder viele große Veränderungen erlebt. Wir haben den sechsten Wachstumsschub hinter uns gebracht. Inzwischen glaube ich nicht mehr an die Entwicklungsschritte aus »O je, ich wachse«. Ab dem sechten Monat entwickeln sich Kinder so unterschiedlich und in ihrem eigenen Tempo, dass man das alles nicht mehr Schritt für Schritt abhaken kann. Bisher habe ich auch gerne auf erdbeerlounge.de nachgelesen. Doch inwzischen passt das alles nicht mehr zu uns.

Ihre Müdigkeit prägt immer noch unseren Alltag, besonders nach dem Aufstehen. Inzwischen schlafen die beiden einmal vormittags und einmal nachmittags, jeweils eine halbe bis maximal eine Stunde. So schaffen es die beiden meist bis 19 Uhr wach zu bleiben. Insgesamt halte ich unseren Tagesablauf noch nicht für optimal. Zwischen den Mahlzeiten liegen drei Stunden. 18 Uhr gibt es Abendessen, was mit Al nach wie vor nicht gut funktioniert. Leider konnten wir noch keine Familienessen einführen, weswegen sie in erster Linie Brei essen, selten auch mal einen Hirsekringel. Wir sollten mutiger werden, allerdings ist das ganze Thema Essen noch immer sehr aufwendig für uns. Vielleicht helfen die nachfolgenden Zeilen zu verstehen, warum wir es nicht schaffen zu kochen.

Wie gesagt ist Al sehr zielstrebig. Nachdem sie innerhalb einer Woche krabbeln und sitzen gelernt hat, hat sie direkt weitertrainiert. In der 35. Wochen hat sie sich dann zum ersten Mal alleine am Sofa hochgezogen und für einige Augenblicke gestanden. Seitdem trainiert sie ihre Muskeln unaufhörlich, klettern, hochziehen, stehen, stehen, herausfinden, wie man elegant wieder nach unten kommt, klettern, stehen und dann alles wieder von vorn. Wir lassen ihnen möglichst viele Gelegenheiten zum Üben, haben einen schweren Karton in den Flur gestellt, an dem sie sich aufstellt und seit Ende der 36. auch daraufklettert.

Ende der 35. Lebenswoche entdeckten wir beim Baden plötzlich unzählige rote Punkte auf den Körpern von Al und Lu. Nach einer hektischen Abfrage im Familien- und Freundeskreis, sind wir erst einmal ruhig geblieben und haben abgewartet. Weil es dann doch wesentlich schlimmer wurde, haben wir unsere Kinderärztin aufgesucht. Zum Glück war es nur ein leichter Virus, der nach ein paar Tagen wieder überstanden war. Lu hat sich davon nicht entmutigen lassen und den gleichen Ehrgeiz entwickelt wie ihre Schwester. Und so hat sie auch begonnen, sich am Sofa hochzuziehen.

Al und Lu verbringen seither ihre Tage mit fleißigem Üben; sie krabbeln, Al sitzt, sie stehen an unseren Händen und am Sofa und klettern auf alles, was sie erreichen können, ebenfalls bevorzugt sind Mama und Papa. Unentwegt stellen sie sich auf und ab. Lu versucht sich seit zwei Tagen auch hinzusetzen, braucht aber noch etwas Übung. Immer wieder gibt es ein paar Tränen, wenn ihre Kräfte doch noch nicht ausreichen.

Vermutlich ist sich die Tagesmutter, zu der wir in einer Woche zum ersten Mal zum Spielen und intensiveren Kennenlernen gehen, noch nicht im Klaren darüber, wie ein Alltag mit zwei so aktiven Keulchen ist. Für ihre gerade einmal acht Monate scheinen sie manchmal schon so weit zu sein, doch wenn sie müde werden, sind sie wieder unsere kleinen Babys, für die das alles noch recht viel ist.

Was bleibt noch zu sagen?
Wir leiden nach wie vor unter der Balkonsanierung, die sich im schlimmsten Fall noch eineinhalb Monate hinziehen kann. Die Sonne wärmt die dunkle Plane vorm Wohnzimmerfenster und die ganze Wohnung so stark auf, dass wir selbst in der Nacht noch 27 Grad haben. Al und Lu haben große Schwierigkeiten einzuschlafen. Wir hoffen auf Regen. Wir hoffen auf Abkühlung. Wann wird denn endlich wieder Herbst?!

Auf, auf, und davon

Stolz und Vorurteil

Unsere kleenen Keulen machen Tag für Tag und Woche für Woche kleine große Fortschritte. Wir nennen es gerne den PEKiP-Effekt, denn jeden Dienstag oder Mittwoch kann entweder eine von beiden etwas Neues oder besser oder gleich beide. Im Laufe der Woche wird es trainiert, ausprobiert und verändert, bis zur nächsten PEKiP-Stunde am Dienstag. Und selbst wenn es mal keinen sichtbaren Fortschritt gibt, sind wir stolz auf unsere Mädchen. Sie werden selbstständiger und dadurch zufriedener mit sich selbst.
Wir genießen das zurzeit besonders bei unserer Al. Sie ist ein Schreikind, weil sie so viel mehr möchte als sie kann. Und nun kommt sie endlich vorwärts, kann sitzen und wird dadurch beweglicher. Durch ihre Zufriedenheit kreischt sie zwar immer noch laut, aber ihre Stimmung ist nun viel positiver. Sie lacht häufiger und unternimmt kleine Erkundungstouren durch ihr Zuhause. Wenn sie irgendwann besser mit dem Löffel umgehen kann, wird hoffentlich auf das Essen einfacher und angenehmer.
Lu hat in den letzten Wochen eine Art Sonar entwickelt. Wenn sie durch die Wohnung robbt, auf der Suche nach Mama oder Papa, stößt sie ein kraftvolles, schnelles »Ah!« aus, immer wieder, mit kleinen Pausen dazwischen – dabei schaut sie sich um und horcht -, bis man ihr mit einem kräftigen »Ah!« antwortet. Dann freut sie sich und robbt dem Geräusch entgegen. Melde: Objekt geortet und Verfolgung aufgenommen. Diese Art von Kommunikation gefällt ihr sehr, auch wenn man einen Becher o.ä. nimmt und ein Geräusch hineinspricht. Wenn sie ein ähnliches Objekt in den Händen hält oder man es ihr reicht, antwortet sie hinein. Fehlt eigentlich nur eine Schnur und wir könnten telefonieren.  🙂

Dies und vieles mehr erfüllt uns mit Stolz. Dabei denke ich hin und wieder, dass das eigentlich Erfahrungen und Entwicklungen sind, die jedes gesunde Baby im Laufe der Zeit erlernt, also etwas ganz Normales und Alltägliches. Sie alle lernen früher oder später Sitzen, Krabbeln und Laufen. Und trotzdem können wir nicht aufhören, stolz zu sein. Sie sind stark und neugierig, haben ihre Ziele und probieren vieles aus. Es ist so spannend, sie und ihre Welt zu beobachten.

Ich hätte es früher nicht für möglich gehalten, dass andere Eltern und Kinder eine so große Wirkung auf die Wahrnehmung unserer eigenen Kinder haben könnten. Wie gesagt gehen wir leidenschaftlich gern zum PEKiP. Al und Lu lieben die Zeit dort und machen alles mit Freude und Spannung mit.

Am Dienstag schnappten sie sich die Spielzeug-Box, zogen sie um und spielten einmal alles quer durch, bevor man den anderen Babys etwas gab. Das ist nicht die feine englische Art, und eigentlich erkläre ich ihnen, warum wir so etwas nicht tun sollten, aber in dem Moment habe ich sie lieber beobachtet, wie sie etwas miteinander erkunden. Ich freue mich, dass sie sich endlich mehr füreinander interessieren, sich anschauen und beobachten, und nicht mehr nur nebeneinanderher leben.

Ich weiche ab. Andere Kinder verstärken das Gefühl von Stolz, weil man so viel vergleichen kann. Al und Lu sind die jüngsten Kinder im Kurs, und doch kann Al nun zeitgleich mit einem anderen Mädchen aus dem Kurs krabbeln und wie einer der Jungs sitzen. Lu konnte schon robben, als die anderen Kinder nur dalagen oder sich drehten. Ich kann nicht verbergen, dass mir ein verstecktes, stolzes Lächeln übers Gesicht huscht. Al und Lu rocken. Obwohl sie zu früh geboren wurden und Al ihre kleinen Startschwierigkeiten hatten, stehen sie den anderen in nichts nach. Im Gegenteil, sie sind für ihr Alter motorisch gut dabei.
Und weil ich an mir selbst diese (unschöne) Seite entdecke, dass ich selbst mehr mit anderen vergleiche, als ich eigentlich will, versuche ich mich etwas mehr zurückzunehmen und anderen Müttern gegenüber etwas ruhiger zu werden. Der Stolz lässt immer wieder aus mir heraussprudeln, was die kleenen Keulen nun können, wohin die Reise gehen soll – etwas anderes ist das hier Niedergeschriebene ja eigentlich auch nicht. Ich halte fest, dass Al und Lu das Wunderbarste und Reinste auf der Welt sind, wir sie voller Stolz und Ehrfurcht in unserem Leben genießen und hoffen, dass sie das Licht, das sie in unser Leben bringen, auch in die Welt hinaustragen und für die Menschen zu einem besseren Ort machen, denen sie begegnen und die sie bereichern. Und: Ich glaube, dass andere Mütter (und Väter) auch nicht besser sind als ich.

Stolz und Vorurteil